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LEISHMANIOSE
Auszüge aus einem Interview mit Prof. Dr. med. vet. Kurt Pfister, Tierärztliche Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München

Erst durch den Import von Hunden aus den Mittelmeerländern wurde die Krankheit Leishmaniose in Deutschland ein Thema. Sie gehört zu den so genannten Reisekrankheiten. Leishmaniose ist eine Infektion, die von parasitären Einzellern – Leishmanien (Phlebotomus) – ausgelöst wird.

Weltweit tritt sie in allen tropischen und subtropischen Klimazonen (außer Australien) auf. Die dort vorkommenden Leishmaniose-Spezies sind eine Bedrohung für Menschen. Man unterscheidet weltweit drei Leishmanioseformen: die kutane (Hautleishmaniose), die mukokutane (Schleimhautleishmaniose) und die vizerale (innere Leishmaniose). In Europa allerdings existiert entlang der Mittelmeerküsten eine Art der Parasiten, die in der Regel nur für Hunde lebensgefährlich ist.

Symptome
Leishmaniose äußert sich durch kahle Stellen um die Augen herum, an der Schnauze, am Hals und an den Beinen, die sich entzünden können, schuppige, haarlose Ohrränder, durch stark wachsende Krallen, Nasenbluten und rissigen Nasenspiegel sowie Bindehautentzündung, geschwollene Milz und Lymphknoten. Im fortgeschrittenen Stadium magern die Tiere stark ab, sie fühlen sich matt, haben Durchfall und Muskelschmerzen. Ohne Behandlung sterben die Tiere auf Grund von Schädigungen der inneren Organe oder an Folgeerkrankungen

Zur Behandlung werden in der Regel zwei Medikamente verwendet. Einmal Allopurinol, preiswerte und nebenwirkungsarme Tabletten aus der Humanmedizin, deren Wirkung meist schon nach kurzer Behandlung anschlägt: Die Symptome gehen schnell zurück und das Tier erholt sich gut.

Allopurinol wird oft verordnet, wenn die Krankheit erneut ausbricht oder auch durchgehend zur Vorbeugung. Damit lässt sich im günstigen Fall verhindern, dass Symptome überhaupt noch einmal auftreten. Unter dem Mikroskop ist zu erkennen, dass bei der Behandlung mit Allopurinol die Erregerdichte stark zurückgeht. or allem in schweren oder fortgeschrittenen Fällen setzen Mediziner zur Behandlung ein fünfwertiges Antimon-Präparat ein – Glucantime. Es wird unter genauer Beobachtung des Arztes über einen längeren Zeitraum injiziert, hat oftmals Nebenwirkungen und ist teuer.
Bei einen 20 Kilogramm schweren Hund muss für die in der Regel einmalige Glucantime-Kur mit Kosten von rund 500 Euro gerechnet werden. Mit rund 80 Prozent liegen die Chancen gut, dass ein behandelter Hund zwar nicht geheilt, aber doch beschwerdefrei alt werden kann. Voraussetzung ist, dass die Organe noch nicht zu stark geschädigt sind.

Eine Übertragung auf den Menschen ist direkt durch den Stich der Schmetterlingsmücke möglich. Allerdings sind, trotz der Millionen deutscher Urlauber, die ihre Ferien in den endemischen Gebieten Europas verbringen (also dort, wo die Leishmanien heimisch sind), nur sehr wenige Fälle von Leishmaniose-Erkrankungen bekannt. Eine Übertragung ohne die Mücke ist zwar theoretisch möglich, dazu müsste allerdings eine offene, krankheitsbedingte Wunde eines Hundes mit der Wunde eines Menschen oder anderen Hundes in Berührung kommen. Wissenschaftlich nachgewiesen ist eine solche Übertragung nicht.

Verantwortungsvoll im Süden arbeitende Tierschutzvereine vermitteln ihre Hunde nicht, ohne sie vorher auf die so genannten Mittelmeerkrankheiten untersucht zu haben.
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Professor Dr. Kurt Pfister vom Institut für vergleichende Tropenmedizin und Parasitologie an der Veterinärmedizinischen Fakultät der Universität München verurteilt jede Panikmache als überspitzt und unangebracht. Es sei nicht anzunehmen, dass das Verbreitungsrisiko von Leishmaniose durch den „Import“ der Mittelmeerhunde steige. Professor Pfister betont, dass seiner Kenntnis nach die gefundenen Sandmücken einer Art angehören, die Leishmaniose gar nicht übertragen kann.

Und zuletzt, dank der Behandlung mit Glucantime oder Allopurinol, geht die Erregerdichte bei den infizierten Hunden stark zurück. Damit reduziert sich auch die Gefahr, dass beim Stich der Mücke Leishmanien überhaupt aufgenommen werden. Als zusätzliche Sicherung könnten Besitzer infizierter Hunde ihren Tieren das Halsband umlegen, dessen Wirkstoff die Mücke abtötet.
Parasitologen, Tropenmediziner und Veterinäre, die sich wissenschaftlich mit Leishmaniose befassen, sehen deshalb die Gefahr, dass es durch Hunde aus endemischen Gebieten zu einer Ausbreitung der Krankheit in Deutschland kommen kann, als sehr unwahrscheinlich an. Unter diesem Aspekt ist es auch nicht unverantwortlich, einen infizierten Hund nach Deutschland zu bringen.

Nicht zu vertreten ist allerdings, wenn Tiere ungetestet aus Mittelmeerländern geholt und vermittelt werden. Das ist verantwortungslos gegenüber jedem infizierten Hund, der ohne die richtige Information vielleicht falsch oder gar nicht therapiert wird, und ebenso gegenüber dem neuen Besitzer, der nicht entscheiden konnte, ob er überhaupt ein krankes Tier aufnehmen will.
Gefordert ist sachlicher Umgang mit der Krankheit, vernünftige Abwägung, ob ein infizierter Hund in Deutschland eine Chance hat, und ehrliche Aufklärung, bevor er in ein neues Zuhause vermittelt wird. Sachlicher Umgang mit der Krankheit bedeutet aber auch, dass befallene Hunde nicht unnötig eingeschläfert werden.
Es ist nur dann erlaubt, einen an Leishmaniose erkrankten Hund zu euthanasieren, wenn er nicht mehr zu therapieren ist und damit von unheilbarem Leiden erlöst wird, keinesfalls aber aus Gründen einer möglichen Verbreitung der Krankheit. Dies wäre ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz. Professor Pfister: "Da würde ich mich ganz vehement gegen verwehren".

Es wird immer noch, auch von Amtsveterinären und Tierärzten, behauptet, Leishmaniose sei eine Tierseuche und damit meldepflichtig. Das ist falsch! Es ist in Deutschland genau festgelegt, welche Krankheiten zu den Seuchen zählen – Leishmaniose gehört nicht dazu. Professor Pfister sagt es in unserem Beitrag ausdrücklich: "Aus amtsärztlicher Sicht gibt es keinen Grund, dagegen vorzugehen."

Infos:
Institut für Vergleichende Tropenmedizin und Parasitologie
Tierärztliche Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München
Prof. Dr. med. vet. Kurt Pfister
Leopoldstr. 5
80802 München
Tel. (0 89) 21 80-36 22
Fax (0 89) 21 80-36 23
E-Mail: Sekretariat@tropa.vetmed.uni-muenchen.de


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